Kindergarten- und Krippengruppe • Heilpädagogische Förderung

Unsere Pädagogik Pädagogik

Kinder sind für uns von Anfang an Persönlichkeiten mit einem eigenen individuellen „Bauplan“, der nach Entwicklung drängt und sich auf der Grundlage nährender Beziehungen in den ersten 5-7 Lebensjahren, primär an den Eltern und später auch über andere nahe Bindungspersonen entfaltet. 

Dieser individuelle Bauplan beinhaltet sowohl die emotionalen und sozialen Fähigkeiten als auch das körperliche und geistige Potential. Dabei wird die Entwicklung des Kindes von sensiblen Phasen geprägt, in denen eine besondere Bereitschaft und Empfänglichkeit besteht und in denen es leicht fällt, sich bestimmte Fertigkeiten anzueignen.

Für die optimale Entfaltung ihres Bauplans benötigen Kinder neben tiefen und sicheren Bindungen eine Umgebung, die ihren Bedürfnissen und ihrem individuellen Potential gerecht wird. Dementsprechend strukturieren und gestalten wir die räumliche Umgebung und nehmen die Kinder in ihren Lern- und Entwicklungsprozessen achtsam wahr, um ihrem Forschungsdrang und ihren Entwicklungsimpulsen einen fruchtbaren Boden zu bereiten. 

Dieser Forschungs- und Entwicklungsdrang der frühen Kindheit ist ein „Goldschatz“, über den jedes Kind verfügt und der sich entfalten kann, wenn es sich sicher und geborgen fühlt. Diesen zu bewahren und im Laufe der Entwicklung zu mehren liegt uns sehr am Herzen.

Unserer pädagogischen Haltung verbindet dabei sehr unterschiedliche pädagogische Richtungen:
Maria Montessori und Emmi Pikler auf der einen Seite, die sehr stark das Streben des Kindes nach Freiheit, Selbsttätigkeit und Exploration betonen und der bindungsbasierte Entwicklungsansatz von Professor Gordon Neufeld auf der anderen Seite, welcher die Bedeutung von Sicherheit und tiefen Bindungen als Grundlage für jeden Reifungsprozess betrachtet.

Für uns bedeutet dies, dem Erkundungsdrang (Exploration) des Kindes Raum zu gegeben und diesen zu begleiten, es gleichzeitig aber auch durch die sichere Bindung an verantwortliche und einfühlsame Erwachsene zu stärken.  Denn nur auf der Grundlage von tiefen sicheren Bindungen gelingt jede Form der Reifung und Entwicklung sowie letztlich auch die Loslösung und Selbstständigkeit.

Unsere innere Haltung ist dabei von Respekt, Aufmerksamkeit und Interesse jedem einzelnen Kind gegenüber charakterisiert. Denn wenn sich ein Kind in seiner Eigenart verstanden weiß, hat es die größten Chancen, sich auf sehr persönliche Weise zu einem selbstständigen, eigenverantwortlichen und kreativen Menschen zu entwickeln.

Im Zusammenhang mit einem gesunden Aufwachsen von Kindern wird immer wieder von sicherer Bindung gesprochen. Aber was ist eigentlich eine sichere Bindung, auf welcher Grundlage entwickelt sie sich und wodurch zeichnet sie sich aus?

Prof. Neufeld hat über viele Jahre als Dozent und in seiner Tätigkeit als Psychiater geforscht und dabei aus vielen Puzzleteilen der Bindungs- und Gehirnforschung sowie der Entwicklungspsychologie ein eigenes Bindungsmodell entwickelt. Er selbst bezeichnet es  auch als “Landkarte” über die Bindungsentwicklung. Letztlich stellt dieses Modell, welches sich in 6 Stufen vollzieht, die Grundlagen für jede Form von gesunder Beziehung und Persönlichkeitsentwicklung dar, sei es im Kindes- oder Erwachsenen Alter, im Berufsleben oder der Partnerschaft.

Diese sechs Stufen auf denen sich eine sichere Bindung entwickelt, bezeichnet er als  1.”Sinne”, 2.”Gleichheit”, 3.”Zugehörigkeit”, 4.”Wertschätzung”, 5.”Liebe” und 6.”Vertrautheit”.  In jedem Lebensjahr kommt einer dieser Bindungsformen und den entsprechenden Bedürfnissen des Kindes eine besondere Bedeutung zu. Eine sichere Bindung baut sich auf, wenn das Bindungsbedürfnis des Kindes in der gerade aktuellen Form angesprochen und gestillt wird.

In unserem Kindergarten-Alltag sind wir bemüht, eben jene Formen der Bindung zum Kind immer wieder zu nähren und damit seine essenziellen Bedürfnisse nach Sicherheit und Geborgenheit zu stillen.  Zudem geben wir diese Wissen an die Eltern weiter in Form von partnerschaftlicher Zusammenarbeit bei Elterngesprächen, sowie durch Elternabende und unsere optionale Fortbildungsreihe für Eltern.

Nicht zu übersehen ist dabei die Führungsverantwortung der Älteren (Eltern) gegenüber den Kindern als wichtiger und grundlegender Aspekt einer sicheren Bindung. Viele Phänomene der heutigen Zeit wie das herrische und bestimmende Verhalten von Kindern oder im Gegenteil das überängstliche, zurückgezogene Kind haben ihre Wurzel in einem falsch verstandenen „sich auf Augen-höhe begegnen“.

Integratives Kinderhaus Sonnenblume | Verein Herberge e.V. | Kindgerechte Pädagogik nach M. Montessori, E. Pikler und G. Neufeld